Warum Rückfälle auch Glücksfälle sind

Kennen Sie den sogenannten Setzkasten? Als Kind hatte ich mal so was, in dem neben Überraschungseierfiguren auch jeder meiner Milchzähne einen Platz fand. Meine Milchzähne wollten raus, manche von ihnen mussten es auch. Aber sie gehörten zu mir. Sie waren mal wichtig für mich. Deswegen schmeiße ich diese auch nicht weg. Stattdessen stelle ich sie zur Erinnerung aus.

Möglicherweise lagert ihr alter Setzkasten im Keller oder auf dem Dachboden. Möglicherweise haben sie diesen aber auch weggeschmissen, oder er wurde aussortiert. Das fände ich zwar sehr schade, aber dann könnten Sie sich vielleicht einen neuen anschaffen. Erinnerungen sind Teil unserer Geschichte.

Jedenfalls halte ich persönlich es für sehr sinnvoll, wenn ein jeder von uns so einen Setzkasten hat, in der man alles ablegen kann, was man los gelassen hat, einfach um nicht zu vergessen, woher man kommt und wo man jetzt steht, und somit für sich selbst nochmal den Unterschied anerkennen kann, zwischen dem, was mal war und dem, was gerade ist.

Das ist übrigens Achtsamkeit. Inne halten, los lassen, ablegen, durch etwas Neues ersetzen ohne das alte deswegen abzuwehren. Das Neue ist das Bewusste, und das Alte das Unbewusste, zumindest nach meinem Empfinden.

Dadurch, dass Sie von nun an achtsam sind, sind sie sich über alles bewusst, auch über das, was vorher unbewusst war. Manches wissen Sie jetzt, anderes Wissen kommt später. Aber alles was Sie wissen oder mal wussten, gehört zu ihrem Wissen. Und dieses Wissen kann Ihnen niemand nehmen.

Und so ist das auch mit dem Verhalten. Früher noch waren Sie z.B. impulsiv. Jetzt denken Sie bewusster drüber nach. Heute entscheiden Sie sich möglicherweise anders. Und trotzdem ist ihr abgelegtes Verhalten ein Teil ihrer Geschichte. Vergessen Sie das nicht. Denn das was war, war ebenso mit-entscheidend für die Entwicklung die Sie gemacht haben. Das was war, war auch mal aktuell. Aktuell aber ist jetzt, das was ist.

In meiner Therapie und während meinem Umgang mit mir selbst, habe ich bestimmte Verhaltensweisen an mir erkannt, das Bedürfnis dahinter ergründet und durch wirkungsvollere Methoden ersetzt um das zu erhalten, was ich in dem Falle brauche.

Wenn ich getriggert werde, bin ich oft einem Gefühl ausgesetzt, und das in einer Intensität, die es mir manchmal nur schwer möglich macht rational zu denken. Ich bin dann oft sehr emotional unterwegs. Gedankenketten kreisen unentwegt in meinem Kopf. Der Gedanke sich zu verhalten wie früher ist dann immer sehr greifbar. Manchmal gehe ich dem auch noch nach, ganz oft aber entscheide ich mich bewusst, das abgelegte da zu lassen und das neu erlernte anzuwenden. Wenn ich aber erkenne, dass ich einen Rückfall erlitten habe, dann liegt der Gewinn darin, dass ich es erkannt habe. Das dann zu erkennen und anzunehmen, erleichtert es mir, es zu akzeptieren. Wenn ich es akzeptiert habe, behindert es mich nicht. Aber ich kann dann genauer und konzentrierter hinschauen um dann für mich zu reflektieren, wie ich es beim nächsten Mal wieder so umsetzen kann, wie ich es neu gelernt habe.

Ich erkenne also alte Verhaltensmuster (Unglücksstrategien), kenne aber gleichzeitig alternative Verhaltensmuster, mit denen ich arbeiten kann.

Niemand auf der Welt ist als Übungsweltmeister zur Welt zukommen. Jeder von uns ist auch zum ersten Mal auf dieser Welt. Das heißt also auch, dass niemand von vornherein alles (gut) kann.

Setzen Sie sich bloß nicht unter Druck, wenn sie sich mal wieder verhalten, wie früher. Das passiert. Mir passiert das häufiger. Und es ist für mich eine gute Übung damit besser umzugehen.

Ich war narzisstisch überbordend unterwegs, grenzüberschreitend mit den üblichen Vernichtungsphantasien. Das schöne aber ist, dass durch meine Arbeit an und mit mir selbst, das dahinter liegende Bedürfnis mittlerweile bekannt ist. Ich habe diese Gedanken nicht um anderen zu schaden, sondern um mich zu schützen. Statt es aber nun via Schutzschild abzuwehren, gucke ich mir den Gedanken oder das Gefühl näher an um dann bestmöglich für mich zu sorgen. Somit gelingt es mir in der Tat deutlich besser als früher, etwas loszulassen um mich dem Neuen gegenüber zu öffnen.

Das Alte aber lege ich nur ab. Ich schmeiße es nicht auf den Müll. Ich gucke es mir immer wieder an. Und dann erkenne ich, dass ich jetzt der bin, der ich bin, und mich im direkten Vergleich zu früher verändert habe, Ich bin also ich, und das bei vollem Bewusstsein. Ich bin achtsam mit mir selbst.

Und auch das können Sie für sich und ihr inneres Kind erreichen, Das ist ein Gewinn, der für jeden zugänglich ist. Alles was Sie dafür tun müssen, ist nur ihren eigenen Schweinehund (also Sie selber) zu überwinden um dann den Weg aufs Neue zu (er)finden.

Sie sind ja stetig auf dem Weg. Sie entwickeln sich jeden Tag weiter. Erkennen sie diese Tatsache an und sie werden auf kurz oder lang zum gleichen Ergebnis kommen. Ein Rückfall ist ein Glücksfall für die Weiterentwicklung ihrer selbst.

Mit Herz und Verstand- statt mit dem Kopf durch die Wand (Wie wir lernen uns selbst gegenüber empathischer zu sein)

Steve Jobs der Gründer von Apple starb am 5. Oktober 2011 an Krebs. Er war nicht nur einer der reichsten Menschen auf diesem Planeten, sondern auch einer der klügsten. Und er war ein großer Freund von Achtsamkeit. Er meditierte täglich. Und er sagte mal in einem Interview folgendes:

„Daran zu denken, dass ich bald tot sein werde, ist das wichtigste Instrument, das mir je untergekommen ist, um die großen Entscheidungen im Leben zu treffen, denn fast alles – alle äußeren Erwartungen, aller Stolz, alle Angst vor Peinlichkeit oder Versagen -, all diese Dinge fallen im Angesichts des Todes weg, und es bleibt nur das zurück, was wirklich wichtig ist.“

Was wollte er damit sagen?

Nun

Wenn wir uns ganz auf uns Selbst konzentrieren, wir achtsam mit uns Selbst sind, dann sind wir ganz bei uns und alles um uns herum verliert an Bedeutung. Der ganze Stress, die ganze Hektik, unser bisheriges unbewusstes Tun und Handeln verliert an Wichtigkeit, wenn wir uns „Uns Selbst“ zuwenden. Sind wir achtsam mit uns selbst und unserer Umgebung, sind wir automatisch bewusst. Das klingt einfach, ist es im Grunde auch, wir müssen es uns im Grunde nur erlauben. Wie viel Bedeutung hat denn das Wahrscheinliche, das Eventuelle gegenüber dem, was tatsächlich ist? Wie viel Wert messen wir dem äußeren Anschein zu? Und wie wenig messen wir im Gegensatz dem Inneren Sein zu? Wissen sie noch was sie werden wollten, als sie klein waren? Und was sind sie wirklich geworden? Wie groß ist die Kluft zwischen ihren Zielen und dem bislang Erreichten? Und was hält sie davon ab, zu tun was Sie wirklich wollen?

Ich lese immer wieder „Wer überleben will, muss sich anpassen“. Das heißt also um zu Überleben muss ich mich dem System anpassen, obwohl es mir nicht gefällt? Ich muss meine Träume begraben, unglücklich sein, unzufrieden im Netz suchen, nach jemandem, dem es scheinbar besser geht, nur um dann in Neid und Selbsthass zu verfallen? Ich muss also kämpfen? Und was ist, wenn ich nicht kämpfen will? Falle ich dann durchs Raster? Nun wer kämpft, ist schneller müde, wer aber einfach ist, was er ist, der entspannt. Denn wenn ich weiß wer ich bin, muss ich mich nicht mehr fragen, wer oder wie ich sein soll, weil ich es ja schon weiß. Um dieses Wissen zu erlangen, muss ich nicht im Außen suchen. Ich atme einfach und dann bin ich und das ganz ohne was dafür zu tun. Ich bin geduldig und ich bin bei mir selbst. Ich bin angekommen. Ich bin mir meiner Selbst gewahr. Ich bin da.

Wem außer mir selber bin ich einen Beweis für meine Existenz schuldig? Die anderen sind auch einfach nur da. Ich kann sie sehen. Und sie können mich auch sehen. „Hallo!“

Je mehr wir im Außen nach einer Lösung suchen, desto mehr innere Widerstände türmen sich auf und umso erschöpfter sind wir.

Sie kennen das doch sicher auch, wenn sie etwas unbedingt wollen, es ihnen aber nicht so recht gelingen will. Und sie sind eh schon im Stress, die Zeit rennt, aber je mehr sie sich bemühen, es gelingt ihnen einfach nicht. Anstatt sich zu entspannen, verkrampfen Sie und Sie kämpfen weiter gegen die Wiederstände an. Sie schwitzen mittlerweile, aber aufgeben ist nicht. Die Zügel lockern können sie auch nicht. Und die Angst zu versagen hängt Ihnen im Nacken.

Sie kennen das sicherlich, wenn etwas nicht so funktioniert, wie Sie es gerne hätten, dass die Versuchung groß ist, es mit noch ein wenig mehr Nachdruck zu versuchen und zu schieben oder gar zu zerren um die Dinge in die Richtung zu bewegen in der Sie sie haben wollen. Doch das einzige was wirklich zerrt, sind ihre Nerven. Sie kommen jedenfalls kein Stück weiter, so sehr Sie sich auch bemühen. Und dann verzweifeln Sie. Sie zweifeln an Sich und dadurch auch an allem anderen, also auch ihrer Umwelt.

Ich frage sie jetzt also, ist es wirklich sinnvoll, unbeirrbar alles daran zu setzen um dorthin zukommen?

Ist es manchmal nicht sinnvoller gerade in so einer schier vertrackten Situation inne zu halten und einfach mal mit ihrem bisherigen Tun bewusst anzuhalten um tief durchzuatmen?

In der Ruhe liegt die Kraft. Sollten Sie nicht diesen Moment nutzen, für Sich selbst, um dann zu erkennen, welch Möglichkeiten sich daraus entwickeln, die Dinge aus einem entspannteren Blickwinkel zu betrachten?

Nun manch einem mag diese Einstellung zuwider sein, oder einer Todsünde gleichkommen, weil sie von Passivität zeugt – und doch ist just dies vielleicht der bessere Weg. Allzu hartnäckigen Druck auszuüben kann bei Problemen ebenso beim Vorantreiben der zu verrichtenden Tätigkeit absolut kontraproduktiv sein.

Wenn ich jetzt auf mich zu sprechen komme um Ihnen ein Beispiel zu geben, muss ich leider zugeben, dass ich ähnliche Gedanken hatte. Ich habe jetzt fast 2 Wochen nicht geschrieben. Letzte Woche ist mein Buch erschienen. Mir wollte aber dieser Text hier, den ich gerade schreibe, partout nicht in den Sinn kommen. Und ich spürte, die allmählich auftretende Unzufriedenheit in mir. Ein altes Muster trat auf, ich trollte durch Facebook, einigen empathischen Freunden fiel das auf, aber ich log auf die Frage ob mir langweilig sei oder ich wieder auf der Suche nach Anerkennung und Aufmerksamkeit sei.

Und dann tat ich tatsächlich das, was ich die letzten Zwei Wochen total vernachlässigte. Ich atmete. Ich machte meine Achtsamkeitsübungen. Ich empfand großes Mitgefühl für mich selbst. Und ich entspannte. Dann tat ich noch etwas und zwar ganz bewusst. Ich lächelte. Das Gefühl was mich dann plötzlich umgab war große Nachsicht. Und dadurch kam auch wieder Zuversicht. Ich überwand meinen inneren Wiederstand. Und am Ergebnis dürfen Sie augenblicklich teilhaben. Ich schreibe wieder, und das ganz ohne Druck schreiben zu müssen. Ich schreibe gerade, weil ich losließ. Dadurch kam es von Selbst. Ich fühle mich gerade so leicht und beschwingt. Allein das Wort „beschwingt“ zu schreiben, beschwingt. Und mein inneres Kind singt.

Enorme Anstrengung und eingebildeter Druck von Außen gepaart mit tatsächlich vorhandener innerer Anspannung, kann tatsächlich dazu führen, dass wir uns mental verschließen, nicht mehr kreativ denken können und uns stattdessen im Kreis um die eigene Achse drehen. Und ehe wir uns versehen wird uns schwindelig dabei. Das sind erste Stresssymptome, die somatisch in Erscheinung treten. Aber selbst diese können uns oft nicht davon abhalten, weiterhin zu Tun, was wir scheinbar tun müssen- um eines nicht zu tun- nämlich zu versagen, was wir dann unbewusst doch tun, weil wir es einfach nicht sein lassen können, zu tun, was uns die ganze Zeit schon nicht gelingen will.

„Die innere Haltung, aus der wir heraus handeln ist oft von eben solcher Bedeutung wie die Handlung selbst“

Oder anders gesagt- Begegne dir in Liebe und du wirst geliebt. Entwickele Mitgefühl für dich selbst- das ist der Ausweg aus dem Leid. Denn Selbst- Mitgefühl ist der Schlüssel zur Überwindung jeglichen Übels.

Nehmen Sie sich einen Moment, damit sich dieser Gedanke wirklich setzen kann. Setzen Sie sich gerne dazu hin und atmen Sie tief durch. Wenn wir an etwas auf negative oder kritische Weise herangehen, zu hartnäckig an die Sache ran gehen, uns sorgen (Angst zu versagen), zu viele Gedanken machen (Ich bin ein Versager, wenn es mir nicht gelingt), statt mit Herz und Verstand mit dem Kopf durch die Wand oder eine Aufgabe mit zusammengebissenen Zähnen erledigen, aktivieren wir damit automatisch unsere inneren Abwehrmechanismen. Wir geraten in die Rolle einer Maus mit Katzenkomplex.

Wir sind ängstlicher, besorgter, weniger flexibel und kreativ.

Tun wir exakt das Gleiche jedoch bereitwillig und mit offenem Herzen, setzen wir damit unsere inneren Annäherungsmechanismen in Gang, sodass wir uns selbst offener, warmherziger und mit Nachsicht begegnen.

Befinden wir uns in einer scheinbar ausweglosen Negativspirale, in der sich alles gegen uns stellt, obwohl wir uns mit Nachdruck darum bemühen, löst dies ein Gefühl der Niederlage aus. Die Angst zu versagen raubt uns unseren Schlaf und wir können kaum einen klaren Gedanken fassen.

Machen wir uns jedoch dieses Tun (es arbeitet in uns) jedoch bewusst, und wenden uns „UNS SELBST“ zu, trägt dies zum Verschwinden jeglicher Destruktivität bei. Wie ich schon öfters sagte- Achtsamkeit ist Trumpf. Mit Hilfe von Achtsamkeit können wir jeden Widerstand in uns auflösen, und das oft ohne große Anstrengung. Einfach nur atmen, entspannen und bewusst Lächeln.

Selbstmitgefühl ist um einiges hilfreicher als Selbstmitleid, Seien Sie mit sich selbst nachsichtiger und seien Sie sich dem wundervollsten Menschen in ihrem Leben bewusst- sich Selbst und Sie werden nicht mehr fragen müssen, wer und wie Sie sein sollen, weil Sie bewusst sind.

Welch Glück das nur ist, für ihr inneres Kind!!!

PS: Begegnen Sie auch Ihren Gedanken über Steve Jobs mit Nachsicht. Treten Sie nicht nach. Er ist tot. Daran können Sie nichts ändern. Auch was er einst von sich gab ist ausgesprochen und damit gesagt. Wenn Sie aber tief durchatmen, gewinnen Sie Zuversicht und ggf. auch die Ein- oder Ansicht, dass Sie das nicht ändern können. Akzeptieren Sie es. Lassen sie es los, denn damit ändert sich alles.

Wie wichtig ist das, was Steve Jobs tat oder nicht tat, für dein Sein? Wie viel Wert misst du ihm zu? Anscheinend zuviel- sonst würdest du auch der Tatsache, dass ich ihn erwähnt habe mit Nachsicht begegnen und Dich ganz auf die Quintessenz des Textes beziehen.

Man mag über Steve Jobs denken was man will, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass viele (vielleicht auch Sie) seine Produkte nutzen.

Wie Sie ihre Gewohnheiten verändern- Im Hier und Jetzt- (bewusst was anders machen)

Haben sie sich schon mal gefragt, warum sich viele Erfahrungen die sie machen ähneln oder gar wiederholen? Planen sie ihr Leben im Kopf schon mehrere Tage im Voraus (und wie sie etwas machen werden) und verlieren sich in Tagträumen, während außerhalb ihres Kopfes ein ganz anderer Film läuft, von dem sie nichts mitbekommen? Hängen sie mit ihren Gedanken manchmal in der Vergangenheit fest und grübeln darüber, was sie hätten anders oder besser machen können? Sind sie eher kontrolliert statt spontan? Haben sie das Gefühl bei sich festgestellt, vieles automatisch zu machen, ohne wirklich mitzubekommen, was sie da gerade machen? Wo sitzen sie im Zug meistens? Am Fenster? Vorwärts? Was tun sie dabei? Musik hören? Lesen? Aus dem Fenster schauen? Wie fühlen sie sich, wenn sie ein vollbesetztes Zugabteil betreten, wo alle Fensterplätze besetzt sind? Würden sie sich in einem Zug auch neben jemanden setzen, der Ihnen nicht sympathisch erscheint oder stehen sie dann lieber? Mit welchem Fuß stehen sie morgens als erstes auf? Können sie sich noch erinnern, woran sie als erstes gedacht haben, nachdem sie ihre Morgentoilette erledigt haben?

Was würde sich ändern, wenn sie vieles von dem, was ich hier beschrieben habe (und es gibt noch mehr solcher Beispiele) ganz bewusst anders machen würden oder bewusst darauf achten wie sie es tun um mir dann vielleicht beim nächsten Mal diese Frage beantworten zu können?

Haben sie etwa die Befürchtung, dass, wenn sie mal was anders machen, dass sie dann die Kontrolle über sich verlieren? Machen ihnen Veränderungen Angst? Und dann wundern sie sich, dass sich manche Erfahrungen ähneln oder wiederholen? Haben sie wirklich die Kontrolle darüber, wenn sie tun was sie tun ohne hinterher zu wissen was und wie sie es getan haben? Wenn sie aus Angst vor Veränderung, so weiter machen wie bisher, warum grübeln sie dann, was sie hätten anders machen können? Warum machen sie es dann nicht einfach anders?

Warum achten sie dann nicht einfach mal bewusst darauf, wie sie etwas machen? Können sie das Wort „Achtsam“ nicht mehr lesen? Ist es Ihnen einfach nicht wichtig genug, sind sie vergesslich oder gehen sie etwa bewusst unachtsam durchs Leben, aus Angst davor zu erkennen, dass vieles von dem, was ihnen widerfährt, an ihnen liegt und nicht an den anderen? All diese Fragen können sie sich nur selbst beantworten. Meinen sie nicht, dass sie sich das schuldig sind? Machen sie sich drei Tatsachen bewusst:

1. Sie tragen für ihr Leben die Verantwortung,

2. Den anderen geht es genauso, aber um die geht es nicht. (Und es kann sogar sein, dass es Abweichungen gibt)

3. Sie werden zu vielen Dingen in ihrem Leben einen neuen Blickwinkel gewinnen, wenn sie sich in Achtsamkeit üben, wenn sie sich bewusst machen, was sie tun. Sie werden sich möglicherweise sogar dabei fragen, warum sie die Dinge so tun, wie sie es bislang tun und dann eventuell sogar auf die Idee kommen, einfach mal versuchen, es anders zu machen, auch vielleicht aus Neugier wie es sich anfühlt, wenn sie es anders machen, als bisher.

Probleme sind erst Greifbar, wenn sie da sind, nicht aber wenn sie nur eine Befürchtung sind. Wenn sie da sind, ist es wie ist. Wenn sie aber nur in ihrem Kopf eine Rolle spielen, ist es zwar auch wie es ist, aber eben nur in ihren Gedanken, nicht in der Realität.

Oft sind es tatsächlich nur Kleinigkeiten, fast schon Nuancen, die, wenn sie diese bewusst verändern, eine andere oder gar neue Erfahrung mit sich bringen. Sie werden wieder Freude daran haben, Morgens aufzustehen, weil sie wissen, dass sie es in der Hand haben (niemand anders) wie ihr Tag wird und in welche Richtung sich ihr Leben bewegt. Dafür müssen sie im Grunde nichts verändern, außer vielleicht mal darauf zu achten, wie sie etwas tun, um es dann mal anders zu machen. Versuch macht klug.

Ich zum Beispiel sitze am liebsten mit dem Rücken zur Tür. Überall wo ich bislang gesessen habe, hatte ich die Tür im Rücken. Als ich mir diese Tatsache bewusst machte, habe ich die Position verändert. Ich habe mich bewusst woanders hingesetzt und gewann sofort einen neuen Blickwinkel dazu. Auch im Zug oder Bus habe ich es bevorzugt zu stehen, statt mich neben jemanden zu setzen, den ich auf den ersten Blick unsympathisch fand. Dann habe ich einfach mal mich bewusst neben jemanden gesetzt und festgestellt, dass dieser jemand sympathischer ist, als ich dachte. Oft sind es wirklich unsere Befürchtungen oder unsere Erwartungen wie etwas ist, der Grund warum sich unsere Erfahrungen die wir machen, gleichen, unser Gefühl sich nicht bessert und sich im Grunde damit die selbsterfüllende Prophezeihung erfüllt. Wenn wir bewusst etwas daran verändern, uns sozusagen etwas Neues zutrauen, stellen wir fest, dass vieles von dem, was uns bislang davon davon abhielt, etwas zu versuchen zu verändern oder einfach etwas anders zu machen, in Wahrheit ein Hirngespinst war. Es sind nicht die anderen, vor denen wir uns fürchten, sondern es sind unsere Gedanken, die einen Großteil dieser Furcht ausmachen. Oft merken wir nicht, dass wir unsere Erfahrungen und Ängste auf andere projizieren. Wir leben unbewusst in den Tag hinein und bringen uns somit selbst um eine neue/andere Erfahrung und grübeln dann vorm zu Bett gehen, was wir hätten anders machen können. Warum wir es dann aber trotzdem genauso machen wissen wir oft nicht. In der Theorie sind wir alle Meister, aber in der Umsetzung happerts bei vielen. Das ist die Krux des Lebens.

Wenn sie sich in Achtsamkeit üben, und sie den Zustand der Achtsamkeit sind, werden sie lernen, vieles aus dem Ist-Zustand zu betrachten, statt in dem Zustand der ungewissen Erwartungen, Befürchtungen oder der wiederholten Erfahrung zu sein.

Eine Frage:

In was für einer Haltung lesen sie gerade den Text? Stehen sie im Bus oder Zug? Liegen sie im Bett? Sitzen sie auf ihrem Schreibtischstuhl?

Ich möchte sie bitten, jetzt bewusst ihre Haltung zu verändern. Sollten sie also im Zug oder Bus stehen, suchen sie nach einem freien Sitzplatz (im Idealfall sind alle Fenstersitzplätze belegt). Richten sie sich in ihrem Bett auf und setzen sich auf die Bettkante, schließen sie ihre Augen und atmen drei mal ein und aus. Achten sie darauf, wie sie gerade sitzen. Rücken sie nun etwas vor und machen sie ihren Rücken gerade. Gern dürfen sie dabei die Augen schließen und in sich hinein horchen. Sie werden erstaunt feststellen, dass es ihre Einstellung und damit auch ihre Stimmung verändert. Ebenso werden sie feststellen, dass, wenn sie bewusst etwas anders gemacht haben, (oder was neues ausprobiert haben) sich ihr Bild zu manchen Tatsachen in ihrem Leben grundlegend verändern wird und sie einen großen Gewinn daraus ziehen werden. Ihr Sitznachbar ist gar nicht so unsympathisch, wie sie annahmen, sie können auch im sitzen lesen und mit gerade Rücken fällt es ihnen leichter durchzuatmen.

Und so dürfen sie das in Zukunft öfters machen. Fragen sie sich einfach in einem ausführenden Moment, was sie machen und wie sie etwas machen. Und dann versuchen sie einfach mal, etwas bewusst anders zu machen. Ich wünsche Ihnen beim Entdecken und Ausprobieren viele schöne achtsame Momente. Ebenso wünsche ich Ihnen ganz viele gute Erfahrungen. Und sie brauchen sich dafür nicht bei mir bedanken. Nein, bedanken sie sich bei sich selbst und zwar dafür, dass sie bewusst Verantwortung übernommen haben, etwas anders gemacht zu haben.

Sie haben sich damit selbst den größten Gefallen getan, den sie sich haben tun können. Seien sie stolz auf sich.