Die Co- Abhängigkeit, auch Störung des Wohlbefindens genannt, wird besonders von Menschen entwickelt, die mit einem psychisch Kranken Elternteil aufwuchsen oder deren Partner eine psychische Störung hat. Insbesondere Kinder von Eltern die alkoholkrank sind, entwickeln co- abhängige Verhaltensweisen. Die Betroffenen waren in ihrer Kindheit (und sind es in ihren jetzigen Beziehungen teilweise noch immer) chronischem Stress ausgesetzt, dem sie sich angepasst haben. Durch diese Anpassung verlieren Betroffene häufig den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen, Gefühlen und Wünschen und definieren sich selbst nur noch über den anderen. Gleichzeitig entwickeln Sie eine sogenannte Hypervigilanz, welches auch als Leitsymptom der posttraumatischen Belastungsstörung gilt.

Leider wird die Hypervigilanz (erhöhte Wachsamkeit) in der Schulmedizin oft übersehen und gleichgestellt mit einer Dependenten, einer Selbstunsicheren oder Paranoiden Persönlichkeitsstörung. Manchmal wird sogar fälschlicherweise eine narzisstische Persönlichkeitsstörung vermutet. Zahlreiche Narzissmustest im Internet, die im kleingedruckten darauf hinweisen, dass so ein Test keine Diagnose ersetzt, stellen Fragen, deren Antworten sowohl auf eine NPS, als auch auf eine Hypervigilanz hinweisen – jedoch wird nur auf eine eventuelle Narzisstische Störung hingewiesen – aber nicht auf die Hypervigilanz – also die Folge eines möglichen emotionalen Missbrauchs.

Was auch nicht erwähnt wird im Internet aber sowohl in der ICD steht, als auch auf klassischen Therapieschulen gelehrt wird: Ein Symptom macht noch keine Störung aus. D.h. die Hypervigilanz alleine ist keine psychische Störung. Und selbst ein Merkmal der Hypervigilanz (siehe Liste) muss noch nicht auf eine Co- Abhängigkeit hinweisen.

Die Symptome der Hypervigilanz können folgende sein:

  • Andauerndes Beobachten von anderen Menschen (Mimik, Gestik, Stimmlage) bei gleichzeitiger Überbewertung dessen, d.h. freundliches verhalten, kann als bedrohlich empfunden werden
  • stetige innere Unruhe, chronisch erhöhtes Angstniveau, wiederholende Panikattacken
  • übertriebene Schreckhaftigkeit, Lärmempfindlichkeit
  • Ausgeprägte Angst vor der Bewertung anderer (was längerfristig eine soziale Phobie als Folge haben kann)
  • Ungewöhnlich großes Misstrauen vor anderen Menschen
  • Betroffene nehmen an, dass überall Gefahr lauert
  • Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis
  • Leichte Reizbarkeit und teilweise aggressives Verhalten (als Folge der Angst vor Bedrohung)
  • Körperliche (Psychosomatische) Begleiterscheinungen wie Herzrasen, Zittern, Schwitzen
  • Katastrophisieren von kleinen Rückschlägen
  • Schlafprobleme, wiederholtes Aufwachen in der Nacht

Die Folge einer nicht- entdeckten Hypervigilanz kann auch ein Burn- oder Boreout- Syndrom sein. Auch können dauerhaft hypervigilante Menschen eine chronische Depression entwickeln.

Co- Abhängige Menschen sind auch oft im sozialen Bereich zu finden. Ihr Verhalten manifestiert sich dann im sogenannten Helfersyndrom, bei dem die Probleme und Sorgen des Gegenübers als wichtiger erachtet werden, als die eigenen. Dadurch werden die eigenen Grenzen oft überschritten. Betroffene haben entsprechend nicht lernen können für sich selbst zu sorgen und sich abzugrenzen. Sie finden sich dann häufig als Opfer in toxischen Beziehungen wieder, in denen Sie die gleichen Erfahrungen machen, wie in ihrer Kindheit. Ihre Partner sind oft ebenso bedürftig, wie sie selbst. Häufig geraten Co- Abhängige Menschen an Borderliner, Narzissten oder Alkoholiker. Sie verwechseln dadurch Liebe mit Abhängigkeit.

Anders als bei der Hochsensibilität bei der die erhöhte Empfindlichkeit angeboren ist, ist co- abhängiges Verhalten erworben. Co- Abhängige Menschen haben also die Möglichkeit dysfunktionales Verhalten abzulegen, indem Sie ihre Gedanken lernen umzustrukturieren, was zu angenehmeren Gefühlen führen kann. Gleichzeitig lernen sich Co- Abhängige Menschen auf vollkommen neue Art und Weise kennen. Ebenfalls werden Glaubenssätze aufgelöst / neutralisiert und vorhandene Ressourcen sichtbar gemacht, sowie neue Ressourcen aufgebaut und verankert. Vor allem bei Menschen mit einem co- abhängigen Bindungsverhalten bietet sich die Arbeit mit dem inneren Kind an.

Ebenfalls möglich: Systemische Aufstellungen, Entspannungsverfahren oder Coaching /Umprogrammierung des Unterbewusstseins nach Dr. Edwin Yager (Sublimibaltherapie) oder Milton Erickson (NLP und Hypnose)